Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 7 (1828) Salomons Lieder der Liebe. Johannes Offenbarung
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

I. Lieder der Liebe.

S4

Sprache, den Gegenden und Sitten Morgenlandesfür uns viel. Der Becher in seinem Ueberfluß warihnen das Bild aller Fülle, Fröhlichkeit und Wonne,so wie der lechzende Becher das Zeichen der Noch,Traurigkeit und Armuth. Es war ihnen also ge-wohntes Bild, ob der Becher überströme? genughabe oder lechze? und das wird hier zum Sinnbildedes feinsten Maasses und Ebenmaasses in der fröh-lichsten Bewegung. Das xoao xin und xoconieno kann kein lebenderes Bild aus der WeltdeS Genusses und der Freude finden. Die Nase,den Theil des Gesichts, der dem Ganzen Vestigkeitund Zusammenhang gibt, schämen wir uns beinahezu nennen ; die Morgenländer nennten ihn oft, undda das Schloß von schöner Aussicht, mit dem siehier verglichen wird, gerade SalonwNö Bau war,so hatte das Gleichniß alle Reize der Neuheit undPhantasie des Königs. //Dein Haupt wie Kar«t!lel/"l) scheint kolossalisch; da es hier aber heißt:Dein Haupt steht auf dir, wie Karmel," d. i. duträgstö so erhaben und fröhlich, als jenes lustige Ge-birge sich ausnimmt, das man von weitem zuersterblickt, so verschwindet das blcberspannte. //Die-/Augen Teiche zu Heöbon/ wo die Töchter der//Edeln spazieren." Den Morgenländern sind dieTeiche und Quellen Augen der Erde, sprudelndesLeben, nufguillende Seele; und sind sie eS nicht?Ist nicht eine schöne Gegend ohne Wasser, wasrin Antlitz ohne Auge? Der KönigöbUNd endlich

I) Der fröhliche Karmel fiel Pocock von fern undzuerst ins Auge. Th. 2. G, 4.