I. Lieder der Liebe.
i3
Er hat mich geführtIn ein Haus des Weins!
Und sein Panier,lieber mir droben,
Ist Liebe.
O stärkt mich mit dem Weine!
O labt mich mit den Aepfeln!
Denn ich bin krank für Liebe.
Seine LinkeMir unterm Haupt.
Seine RechteUmfaßt mich."
„Ich beschwör' euch, Töchter Jerusalem,
Bey den Hinden, bey dem Rehe der Fluhr.
Wenn ihr sie weckt!
Wenn ihr sie regt!
Bis es ihr gefällt."
Welche süsse Traumerey der Liebe! Gelange cs mirsie, die so misverstanden ist, in ihrem fortgehenden,Rausch und Fluge zu entwickeln, welche Szene desParadieses! —
Das Lob des Geliebten an seine Liebe fängtan; er will ihre Schönheit schildern, und der ersteZug derselben, der erste Zug der ersten Beschreibungim ganzen Buche ist — Bescheidenheit und Unschuld.Ihre Augen sind Täubchen k), schüchterne Täubchen.
Ic) Das Lob der Schönheit fangt bey den Morgen-ländern immer von den Augen an. Ohne Gazelleund Augen derselben ist keinS ihrer Liebesge-dichte» (S. d'A rvieux LH. 3. S. 2 stg.)