394 VH- Vom Einfluß der Wissenschaften
Lehrer macht dem Zöglinge die ganze Wissenschaft,eine elende Methode die trefflichste Wahrheit ekel;Unbeständigkeit in Meynung endlich, schwacher Scep-ticismus verdirbt Alles. Das fehlt einem Regentennur, zu wissen, „daß nichts wahr, daß alles„wahr und falsch, gut und b ö se sei), nach-dem man's ansieht, und daß cs eigentlich keinen„Zweck menschlicher Handlungen und menschlichen„Daseyns in der Welt gebe, über alles lasse sich„disputiren, alles lasse sich mahlen." — Dasfehlt ihm und der Wissenschaft zum schönsten Siegeüber die Regierung! — Da ist's besser daß derRegent nicht schreiben gelernt habe, und nur tüch-tige, feste Hand behalte, einmal schreiben oder allen-falls fechten zu lernen, als daß ihm jetzt durch seineWissenschaft Verstand, Hand und Auge gcläbmt sey,nichts mehr im rechten Lichte zu sehen, zu wollen undzu begreifen. Verderbte Wissenschaft ist tausendmalärger, als Unwissenheit; wahres und das feinste Giftder Seele-
Was Wissenschaft durch Lehre anfangt, Hilst siedurch That, durch tägliche Aeußerungendes Umgangs vollenden. Wir wissen, wie schäd-lich der Königin Christine B ourd el o t war, undselten fehlt's einem Regenten und einer Regierungan Sophisten ihrer Rathschläge und Neigung. DieGesinnungen, die sich in einem Stande, einem Colle-gium, einem Lande und Reiche tkätig äußern, sindgleichsam die praktische Wissenschaft, der stilleLebensgeist, der sich von einzelnen wenigenSubjekten oft einer Menge, einem Heer mittheilt.'Wir werfen ab und empfangen Bilder, handeln seit-