Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 7 (1820) Postscenien zur Geschichte der Menschheit
Entstehung
Seite
372
Einzelbild herunterladen
 

Z72 VII. Vom Einfluß der Wissenschaften

dern; wenigstens schadeten sie ihm nicht, wenn sieihm nicht viel nützten. Die Ode des Horaz, da eralle Musen vom Himmel zaubert, dem Kaiser sanf-ten Entschluß und Lohn darüber zu verleihen, ist ei-ne seiner schönsten : die Werke des Unschuldigen Vir-gils (seinen piurri ^eneain nicht ausgeschlossen) muß-ten ihn gewiß, wenn er Geschmack daran fand, zurRuhe und Güte einwiegen. Tiberius, wenn erlasund schrieb, that doch besser, als wenn er Schand-thaten übte, seine unwürdigen Nachfolger desglei-chen. Ich bin sehr entfernt davon, daß ich den Wis-senschaften in diesem Zeitpunkte die Wirkung zuschrei-be, die sie, zumal als Erzieherinnen dieser Unthierebillig hatten haben sollen. Rechtfertige Diderot*)seinen Scneka, wie er wolle; mein Herz wird ihnnie rechtfertigen, ich höre immer nur, wie ein So-phist den andern vertheidigt. Vermochte Burrhus nichtmehr über Nero, als sein stoischer Philosoph? scheueteer sich nun vor jenem, warum nicht vor diesem, dener, wenn's mit seiner Tugend und Erziehung rechtbestellt gewesen wäre, über alles hatte scheuen müssen?Ueberdem, warum blieb der strenge Weise bei Hofe,und ließ sich beschenken, und sah die ärgsten Laster-thaten mit an? schrieb im Namen des Muttermör-ders an den Senat, die kalte Schandthat durch Er-zählung der Fehler der zerfleischten zu verkleinern undklatschte dem kaiserlichen Gaukler mit zu. Der stoischePhilosoph wandelte, des Lebens unsicher, in seinenprächtigen Pallästen und Gärten, Kräuter undschund die Britten mit Zinsen seiner Millionen, hat-

*) L8SSI sur Is vis et les scrits äe80neguk.l?sr.l?7g.