auf die Regierung und umgekehrt. 3ü3
Himmel selbst ersehen hatte, erfand er Weissagungin seines Gottes Namen, Aberglauben der Nation,ungerechte Kriege zu befördern — was geht überdie Gräuel? Nichts widerstehet solcher Wuth, sol-chem Eifer, der vielleicht auf etlichen geweihten Wor-ten und Sprüchen ruhet; er führt mit allem Krieg,was nicht Er selbst ist, sogar mit Büchern, Wei-bern, Wissenschaften und Künsten. „Entweder steht„in diesen Büchern, was im Koran stehet, oder„nicht; in beiderlei Fallen weg mit ihnen!"
Indessen auch in diesen gefährlichen Zustanden,wo die heilsamste Arznei Gift wird, ersetzt sie sichselbst, eben weil sie ein einziges Mittel ist und ih-rer Natur nach wohlthun soll, bald zum stillenGegengifte. Reli g i o n ist's, die unter demhärtesten Joch des Despotismus den Unterdrücktenallein tröstet: aus Ergebung in den Willen Got-tes ergibt er sich in die Hand des Despoten undwird still und ruhig. Wir sehen die wunderbarenWirkungen des Jslamismus bei den Morgenländern;er ist Opium, wo er nicht mehr gesunde Speiseseyn darf. Auch in den Zeiten der UnterdrückungEuropa's hatte Religion diese Wirkung. Das ersteEhristenthum fand eben auch so vielen Emgang,weil es als Trösterin kam in elenden Zeiten, undden Menschen Unsterblichkeit der Seele und anderesLeben nicht als Problem, sondern Factum, alseine gewisse, thatige Wahrheit zeigte. Bald wurdenGräber der Märtyrer, Wüsten, Klöster die Zufluchtder Unglücklichen, ihre traurigschönen Ruhestätten;wenn nirgend Hülfe kam, so ward Religion dasfeierliche Lied, das die gedrückte Seele von hinnen