364 VII. Vom Einfluß der Wissenschaften
zog in ewige Auen des Friedens. — Auch die ver-steckte R a t h s e l w e i sh e i t der Morgenländer warvielleicht Hülle gegen ihre Tyrannen; siesagten sich einander Trost und Lehre insgeheim, wosie laut nicht gesagt werden durfte. Gewiß zogendie ägyptischen Priester den Schirm der Dunkelheitund Tiefe um sich, damit sie nicht verderbt, nichtberaubt werden konnten, ob sie wohl in der Folgedurch sich selbst verderbt wurden. Ueberhaupt sprachdas orientalische Gleichniß immer den Klugendes Volks: „wer Ohr hat, höre!" und zu
allen Zeiten, unstr allen Völkern sind leider! dieKlugen immer die wenigsten und schwächsten gewe-sen. Die bessere Wissenschaft bleibt also in solchemZustande meistens unkraftig für'» Ganze; nur eineverborgene Perle für den, der sie besaß — nichtdurch ihre Schuld so verborgen und unkraftig.
3 . In Freistaaten entwickelt sich mehrdie Wirkung der Wissenschaften, da in ihnen allesoffen und frei ist: auch ihr Gebrauch und
Mißbrauch also, ihre Wirkungen in's Gu-te und Böse.
Zuerst muß und darf man sagen: Frei-staaten sind sich selbst der Aufklä-rung, der Wissenschaft schuldig. Wo-her kam's, daß edle Gemüthcr sich über die ge-wöhnliche Denkart erhüben, das Joch des Despo-tismus abzuwerfen und ein Volk nach neuen, un-erhörten Begriffen der Freiheit und der Verbindungcinzurichtcn unternahmen? Woher anders, als weilsie durch Erfahrung gelehrt, durch Versuche ge-