356 VII. Vom Einfluß der Wissenschaften
üben, ihm Wirksamkeit und Wettstreitzu verschaffen — nur das, dünkt mich (Kli-ma und Nationalcharakter nicht ausgeschlossen) machtden größesten Unterschied der Wissensc haf-ten u n d Z e i t e n. So wie man nun nicht demStrom der Jahre und Weltvcrfassung gebieten kann,daß er rückwärts fließe; wie kein Gesetzgeber durcheine Zauberruthe ein Rom, Athen, GriechenlandHervorrufen kann, wo es nicht ist und in nächstenAnlagen auf Reift wartet; so wäre cs unvernünf-tig, aus Liebhaberei alter Zeiten die seine zu ver-kennen und zu versäumen, Rom anzuzünden, da-mit man ein brennendes Troja sehe und neue ho-merische Verse lese. Das Volksrcgimcnt Athens,die Verfassung Roms, da die Wisstnschafken inihm am meisten blühten, hatten Seiten, die wiruns, ihrer Redner und Poeten wegen, nicht ebenzurückwünschcn möchten, und die unruhigen ZeitenItaliens, die Danke und Petrarch hervorbrachten,sind auch nicht ncidenswerlh. Manche Wissenschaf-ten sind schöne Blüthen stachlichtcr Pflanzen; herr-liche Trauben eines schwachen Gewächses von Wein-stcck; ein reiches Aehrenftld ist uns nöthiger undbesser, wenisss gleich nicht so schön aussicht. Wirsind ein Gemisch von Völkern und Sprachen, habenein Gemisch von Verhältnissen und Zwecken: der rei-ne griechische Nationalcharakter, ihre Einfalt inWissenschaft und Bildung kann uns nie werden; alsolasset uns werden, was wir scvn könne»,ihnen nachstreben, sofern es unsere Verfassungerlaubt und in dieser werden, was. jenenicht sey n konnten. Vielleicht ersetzen wir anFrucht, was unS, gegen sie betrachtet, an schö-