280 VII. Vom Einfluß der Wissenschaften
wer nennt sie? wer kennt ihre Namen? wer nenntsie anders, als Namen der Unterdrücker, die ihreUntcrthanen zu nichts besserem zu brauchen wußten,und seihst dabey nichts thakcn, Oder „baueten siedaran ihre Gräber?" und wer liegt darunter? undkann ein ellenlanger Despot nirgend als unter einerPyramide liegen? Kurz, die älteste GeschichteAegyptens ist zu ungewiß, als daß ich mir darüber,etwas zu sagen getraue. Mit den Mauern der Se-miramis, dem Schutte Persepolis, den RiesenwerkenIndiens und Sina ist's desgleichen. So viel manSina rühmt, so sichtbar wird's aus allem, was mansagt: das gerühmte Gute kommt nur von den Ge-
setzen und der Vorsicht ältester väterlicher Re-gierung; wo diese aushört und der Despotismusanfänqt, steckt alles Gute. Sprache, Gesetze, Wis-senschaften, Künste bleiben Jahrtausende dieselbe: siekönnen und wollen nicht fort: sie sind cingcwauert
und einbalsamirt in — alte Gewohnheit.
Ueberhaupt ist wohl der entschiedenste Einfluß,mit dem sich Despotismus auf die Wissenschaftenäußert, Pracht, Uebermaas, kolossal! sc heGröße, Willkühr. Was diese nährt, in Ge-danken, wie in der Baukunst, in Anordnungen, wiein Festen, das wird beliebt, das hat Beyfall. Allessoll ungemein, wunderbar, übernatürlich seyn undverliert daher meistens sein Maas zum Staat undzur Glückseligkeit der Menschen. Auch wie in spä-tem Zeiten im Occident der Despotismus theilweiseund in feinen Larven wiedergekehrt ist, hat er ebendiese Wirkung bewiesen. Papst oder Sultan, Schachoder Kaiser — die Hymnen finden sich immer