276 VII. Vom Einfluß der Wissenschaften
bot war, ist unmachtig: Leben und Tod kommt ausder Hand Gottes und Jslamismus, Ergebungin seinen Willen, ist Hauptwissenschast und Weis-heit. Ist diese mit Muth, Entschluß, Klugheit,Kühnheit, Glück verbunden, wie weit kann sie füh-ren! zu welchem Reichthum! zu welcher Höhe! aberauch zu eben so schnellem Fall. Alles Aeußerstegränzt hier zusammen, Höhe und Tiefe, Muth undFeigheit, Alles und Nichts. Kein Mittelstand, keineDauer; und also auch nichts von den Pflanzen, diediesen Stand, diese Dauer, diese ruhige Pflege undWartung fordern, wie's doch die meisten Wissen-schaften sind. Was nicht lautester Hymnusist, wird die versteckteste Rathsei Weisheit: waSnicht als Gottes- und Königspflanze blühet, mußsich ein ruhiges Thal suchen, wo es für sich verbor-gen lebe und weder von drückendem Schatten, nochbrennender Sonnenhitze verzehrt werde.
Ich kenne unter später» Schriften des Orientskein schöner Buch, als das persische Rosen-thal von Scheich Sadi; es enthalt, dünktmich, die feinste Blüthe, die im Garten eines Sul-tans gedeihen kann. Seine Moral ist wahr, einfach,edel, fein eingekleidet und, wenn ich so sagen darf,mit göttlichem Ton menschlich. Sein Inhalt ist:„der Könige Gemüther und Sitten, der Derwische„Arc und Sitten, Resignation, Verschwiegenheit,„Liebe und Jugend, Schwachheit und Alter, Kinder-„zucht und gute S'tken, Höflichkeit und Sprüchwör-„ter" — mich dünkt, diese acht Kapitel sind Haupt-überschriften von dem , was unter der sultanischenRegierung an Philosophie und Moral in Betracht