2 5^ VI. Ahnungen
rung Kirchenbuße in einer anschaulichen mora-lischen Dichtung.
CH. Sonderbare Kirchenbuße in einer Dich-tung —
Th. Gewissermaaßen konnten beide damalsnicht ohne einander bestehen. Sie wissen, die Weis-heit der ältesten Nationen war bei den Priestern.Wenn diese dem rohen Volk keine rechten Ideenvon der zukünftigen Welt geben konnten, oderselbst keine hatten: war's nicht gut, daß sie sie
auch über die Zukunft nach diesem Leben mit sinnli-chen Strafen schreckten? „Du Grausamer wirstzum Tyger, so wie du auch jetzt schon eine Tnger-seele äußerst: du Unreiner zur Sau, du Hoffartigezum Pfauen — da mußt du lange büßen, bis dudeiner entweiheten Menschheit wieder würdig geachtetwerdest." Solche Anschaulichkeiten mit allem Ansehnder Religion gesagt, wirken ohne Zweifel mehr alsmetaphysische Subtilitaten. Jeder sah die Naturdes Thieres und das Schicksal desselben vor sich:der Lasterhafte fühlte den Tkiercharakter in sich;und nichts natürlicher, als daß er nun auch dasSchick'a! des Thieres, das ist, den reellen Ueber-gang in dasselbe befürchtete. Wenn diese Lehre alsoeinmal festgestcllet war, so konnte sie vielleicht vonmanchen Lastern abziehen, zu manchen Tugendengewöhnen. Wer wollte nicht lieber ein weißer Cle-phant als eine Sau seyn? zumal wenn man dieNatur und das Schicksal der Thiere mit Augen derIndier und Aegnpter, mit jener stillen Vertraulich-keit ansiebt, in der die Kindheit der Welt mit denThieren lebte. Sie glauben doch aber wohl nicht,