248 VI. Ahnungen
der reinen, frischen Unschuldsweisse, schwimmst duwie eine Königin daher, eine sanfte Prachtgestaltauf der klaren Flache der Wogen. Deine Welt istein Spiegel, dein Leben ein Schmuck-, ein Künst-lcrleben; was wird dein Geschäft seyn, wenn dueinmal in Menschengestalt Schönheitslinien entwirfst,und Reize an dir oder an der Natur studierest? —
CH. Apropos, mein Freund, haben Sie denRoman des Bischofs Berkeley, Gaudentio vonLucca, gelesen?
Th. Ich kenne ihn nicht.
C h. Er hat eine, hübsche Idee der Seelen-wandecung, die er seinen Mezzoraniern beilegt. Erlaßt sie glauben, daß die Seelen der Thiere nachden Wohnungen menschlicher Körper geizen, undsich auf alle Weise dahinein zu stehlen suchen. Esgelinge ihnen, sobald der Mensch die Fackel seinerVernunft fallen laßt, und also die llcbecmacht ver-liert, sich selbst zu leiten. Nun werde er rachsüch-tig , grausam, wollüstig, geizig , nachdem dieses oderjenes Thier ihn verfolgte und den Platz seiner ver-nünftigen Seele einnahm. Mich dünkt, die Allego-rie ist artig. —
Th. Wie Berkeley überhaupt ein seltener, fei-ner Mann war. Dergleichen Einkleidungen umkcan-zen eine Wahrheit so niedlich!
C b. Und was halten Sie von der Seelen-wanderung der Juden, die die Rabbinen Jbburnennen? Sie sagen, daß sich zu einem Menschenniedrere, auch Mcnschcnseelen gesellen können, dieihm insonderheit zu gewissen Zeiten, (wenn nämlich