242 VI. Ahnungen
zur Nase den Mund verhüllet und frägt: „wer warich? was für ein Thier bin ich gewesen?"
Th. Wie das Spiel getrieben wird, ist'sSpiel und muß es bleiben. Wer kennt sich selbstbis auf den Grund seines Charakters? Und wiesollte uns ein anderer auf Einen Blick kennen, so-bald wir den Mund unter die Serviette hüllen?Was käme auch heraus, wenn der Mensch sich sei-nen Lebcnsalmanach mit den Bildern der Thiereschmückce, mit denen er jeden Tag umzugchen hat,und sich gegen sie wieder in seinem Lhiercharakterbetrüge? Menschen sollen wir seyn, nicht Thiere.Die Zunge an der Waage soll uns leiten; nicht einblindes Gewicht von Charakter und Thierinstinkten,das auf die Wagschaale gelegt ist. Das thicrischeMenschengesicht ist menschlich und aufgeklärt: dieZüge sind aus einander gesetzt, insonderheit die ammeisten charakteristischen Züge. Stirn, Nase, Au-gen und Wange sind beim Menschen gegen die Thie-re unendlich erhoben, veredelt und verschönet.
C h. Also wäre die Thierbildung nur eineGrundlage des menschlichen Charakters, der vomLichte der Vernunft erhellet, und von der sittli-chen Empfindung des Menschcnhcrzens geordnet,verschönt und erhoben werden soll. DerGrund unserer sinnlichen Kräfte und Charakterzüge,unsere etwanigcn Reste von blos sinnlichen Geschick-lichkeiten, Neigungen und Trieben, waren thierisch,die nachher von unserer Vernunft nur überglänzt,nur geregelt werden müßten —
Th. Studiren Sie die Menschen, und Siewerden häufige Proben davon finden: denn in Ur-