Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 7 (1820) Postscenien zur Geschichte der Menschheit
Entstehung
Seite
228
Einzelbild herunterladen
 

228

VI. Ahnungen

Der Geist, einmal entronnen, einmal der zarten undso festen Bande los, die ihn durch Sinne, Triebe,Neigungen, Pflicht und Gewohnheit an diesen klei-nen Kreis der Sichtbarkeit knüpften: welche irdischeMacht könnte ihn fest halten? welch' ein Naturge-setz ist entdeckt, daß Seelen, in dieser engen Renn-bahn sich umherzudrehen, zwange? Sogar über dieSchranken der Zeit ist unser Geist weg: er verachtetRaum und die trage Erdenbewegung: cnt-körpert ist er sogleich an seinem Ort, in seinemKreise, in dem neuen Staat, dazu er gehöret. Viel-leicht ist dieser um uns, und wir kennen ihn nicht:vielleicht ist er uns nahe, und wir wissen nichts vonihm, außer etwa in einigen Augenblicken seliger Ah-nung, da ihn die Seele oder er die Seele gleichsamherbcyzieht. Vielleicht sind uns auch Ruheörter, Ge-genden der Zubereitung, andere Welten bestimmt, 'auf denen wir, wie auf einer goldenen Himmelslei-ter, immer leichter, thatiger, glückseliger, zum Quellalles Lichts emporklimmen, und den Mittelpunkt derWallfahrt, den Schovß der Gottheit, immer suchenund nie erreichen: denn wir sind und bleiben einge-schränkte, unvollkommene odcx endliche Wesen. Woich indessen sey, und durch welche Welten ich ge-führt werde, bin und bleibe ich immer an der Handdes Vaters, der mich hieher brachte und weiter ru-fet: immer also in Gottes unendlichemS c h o o ß e.

Es thut mir leid, sprach Eharikles daß ich Siein Betrachtungen unterbrechen muß, die Sie so weitvon unserer Erde entfernen; aber lassen Sie michnicht zurück. Ueberall, wo Sie frei, weise und tha-tig leben, ist Himmel: und warum scheuen und flie-