222 VI. Ahnungen
CH. Ohne Absicht doch eben nicht. Er lerntedie Wissenschaft des Lebens, wie sie sich allein ler-nen läßt, durch die vielseitigste Ansichtund lebendigste Erfahrung. Er würde alsoimmer geprüft, gelautert, vcrfeint, befestigt: der
Faden seines Ich ginge fort, und er rückte weiter,so sehr er im Kreise zu gehen schiene.
T h. Ein langsames Fortrücken , auf dem unsdas Schicksal als Phrygier behandelte, die immernur hintennach klug werden, und nicht eherwissen, wie es dem Knaben zu Muth sey, der dieSchlage empfangt, bis sie sie selbst empfangen ha-ben. Und solche Schlage zeitlebens!
CH. Ohne Noth wird sie uns das Schicksalnicht geben, und da es doch einmal gewiß ist undbleibet, daß wir nur das recht und wabr undeinzig wissen, was wir selbst versucht und er-fahren haben —
Th. Mich dünkt, Lieber, Sie mißbrauchenden wahresten Satz, wenn Sie ihn also anwenden.Alles in der Welt brauche ich nicht zu erfahren,oder wehe der armen Menschheit! Welcher Klugewird sich die Pest wollen einimpfcn lassen, damiter doch auch wisse, wie es mit ihr stehe? WelcherMensch wird Vater- und Muttermorder seyn wollen,um zu fühlen,» wie es bem Nero oder einem ander»Ungeheuer gewesen? Und was für .ein Schicksalwäre es, das eine Freude daran hatte, mich alleabscheuliche Rollen spielen zu lassen, um mir nurdas Gefühl zu geben, daß ich sie ge-spielt habe! Sie sehen, was es für ein Systemsey, das zu allen Frechheiten Anlaß geben kann,