2t6
VI. Ahnungen
len unserer Kinder lieb baben und von der Machterster Eindrücke so überzeugt sind, wie ich davonüberzeugt bin, sollten wir nicht diese ersten Ein-drücke, sofern sie in unserer Gewalt sind, unver-merkt lernen und wählen? Unvermerkt, sageich: denn sonst ist alles vergebens. Die Seelewill bei ihren geheimsten Operationen keinen Zwang,keine moralische Vorschrift: sie wirkj frei aus sich
heraus, und in diesen ersten Arbeiten liegt dasEmblem der Wirkungen ihres ganzen Lebens. Siealso belauschen, sie, wenn sie in holden Wüsten, inanmuihigen Labprintben irrt und sich zu weit ver-irret, in der Gestalt eines Hellen Sterns, oderwie Minerva bei Homer in der Gestalt eines frem-den Wanderers, (nicht Lehrers, nicht Zuchtmeistcrs)zurechtweisen, kurz, wie jener Philosoph sich täg-lich wünschte, ihnen fröhliche Morgen- undJugendbilder gewahren, damit sie einst amAbend und im Alter frobliche Zurückerinnerungenaus dem platonischen Reiche der Geister haben mö-gen, und keiner erniedrigenden, entsetzlichen Ideender Seelenwanderung bedürfen: das, meyne ich,
können und sollen wir; doch freilich unter den Hän-den des Schicksals.
Eh. Ja wohl unter den Händen des Schick-sals!
T k>. Denn da wir über alle Ideen und Ein-drücke unserer Ideen selbst nicht Herren sind; vielweniger sind wir's über die Eindrücke unserer Freun-de und Kinder. Wir haben unsere Seelen nichtselbst hieher gesetzt; noch weniger sind wir's, dieihre Kräfte gegen das von allen Seilen auf sie zu-