2«4 VI. Ahnungen
CH. Vielleicht auch dieses pythagoreischenTranmS; überhaupt aber wissen wir von Sokratesaus seinem eigenen Munde, zu wenig: er sprichtnur durch den Mund anderer. Lassen Sie also dieExempel und sagen: glauben Sie nickt, daß derrecht grossen Leute nur wenig in der Welt gewesen.
Th. Sie hießen nicht groß, wenn ihrer nichtwenige wären,
CH. Meynen Sie, daß diese in allen Jahr-hunderten seltenen großen Leute durch Fleiß, durcheine Mühe, zu der jeder Handwerksgeist fähig ist,oder durch Natur, durch eine Art angebohrnenSinnes, durch eine Inspiration, die sie sich nichtgegeben hatten, die sie nie verließ, die niemand ih-nen nachmachen konnte und jedermann unglücklichnachahmte, allein dadurch das waren, was siewaren und in aller Zeit seyn werden ? Sie erschienenwie Genien, sie verschwanden wie Genien, und mankonnte nur sagen: „da war er, da stand er, und istnicht mehr; wo ist wie Er ein anderer?" MeynenSie das nicht?
T h. Ich darf's nicht meynen, denn es bestä-tigtes die ganze Geschichte; aber was thut dies zurSeelenwanderung?
C h. Hören Sie weiter. Erschienen nicht mei-stens diese großen Leute auf Einmal? Wie eineWolke himmlischer Geister ließen sie sich nieder, wieAuferstaudene und Wiedergebohrne, die nach einerlangen Nacht des Schlafs eine alte Zeit wicderbrach-ten, und als Jünglinge da standen in neuer Him-melsschönheit. Jst's nicht, als ob das Rad der Zei-