Igk VI. Ahnungen
Weisheit im Gegensatz der fchnellesten Macht,oder zwey Ideen, die die Mythologie des Volks na-her angiebt) welche sonderbare Denkart, auf dieseWeise symbolisch zu componiren, und je-den kleinsten Theil des Symbols mit überdachterGenauigkeit charakteristisch auszuführen!— Einem Volk, das fo zu imaginiren geneigtist, dem sind zwischen Geschöpf und Geschöpf, soeigen jedes in seiner Art seyn mag, keine Mauernund Bollwerke gebaut; leicht schlüpft die Seele Ei-nes Lebendigen in das andere über. Wechselnd ver-richten sie ihre Funktionen; wechselnd ruhen sie, odertragen die Last der Schöpfung.
3 Diese sym b olisehe Gestalt der Schö-pfung, gleichsam eine immerwahrend fortgespielteFabel, hat für sinnliche Menschen viel Anschau-ung, und in dieser einen reichen allegori-schen Sinn. Jeder Gestalt nämlich bleibt, sslange sie spielt, ihr unzerstörbarer Eharakter; dieRollen aber wechseln, so bald die Schale zerbrochenwird, leicht. Bey der größten Wirklichkeit also istunsere Welt Maja, eine Welt der Täuschung. DieLebensseele, die in die Organisation eines Thieresfloß, kann in der großen Ordnung der Dinge aucheinen Menschen organistren; und wenn es die Ord-nung der Dinge fordert, umgekehrt. Sie verändertbloß ihren Aufenthalt, spielt allenthalben ihre Rolle,hat ihre Funktionen; nur in der feinem Organisa-tion des Menschen übt sie feinere Kräfte, Ver-nunft, lieber leg ung, Gedächtnis, undaus ihrer Zusammenwirkung die edelste Kraft, Ge-