Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 7 (1820) Postscenien zur Geschichte der Menschheit
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162

VI. Ahnungen

Achtung, die wir bey deinen Lebzeiten für dich Hut-ten, kommen wir jetzt, um dir den letzten Liebesdienstzu erzeigen. Damit dein Körper nicht auf der Ebe-ne liegen bleibe, und den Thieren auf dem Feldeoder den Vögeln in der Luft zur Beute werde, wol-len wir ihn sorgfältig zu den Körpern deiner Vor-gänger legen, in der Hoffnung, daß dein Geist mitihren Geistern speisen, und bereit seyn werde, denunsrigen zu empfangen, wenn auch wir in dem gro-ßen Lande der Seelen ankommen."

In ähnlichen kurzen Reden erhebt jeder Anfüh-rer das Lob seines abgeschiedenen Freundes. ,

Als ich mich bey den Nadowessiern aufhielt,fährt der Reifende fort, so verloren die Bewohnereines benachbarten Zeltes ihren vierjährigen Sohn.Sie wurden über diesen Verlust so gerührt, daß derVater durch seinen Kummer und den Verlust vonBlut sich den Tod zuzog. Sobald die Frau, dievorhin schon untröstlich war, ihren Mann sterbensah, so hörte sie auf einmal auf zu weinen, undward völlig heiter und gelassen."

Mir kam die schleunige Veränderung so son-derbar vor, daß ich nicht umhin konnte, sie darumzu befragen. Sie sagte mir, der Gedanke, daß ihrKind, seiner großen Jugend wegen, im Lande derGeister sich seinen Unterhalt nicht würde verschaffenkönnen, hätte ihren Mann und sie sehr beunruhigt:aber da ihr Mann eben dahin gegangen wäre, dersein Kind zärtlich liebte, und die Jagd sehr gut ver-stünde, so hatte sie aufgehört zu trauren; denn jetztwäre sie überzeugt, ihr Kind sey glücklich, und siewünsche jetzt nichts mehr, als bey ihnen zu seyn."