VI. Ahnungen
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Völker von ihrem Reich der Seelen. Der jungeHeld wird ein zweiter Orpheus, der seine gelievteEurydicc sucht, findet, gewinnt, und auf immerverliert.
Da dies Reich der Seelen beinah allgemeinauf der Erde von den heidnischen Völkern geglaubtward; so fällt mir aus einem Winkel EuropenSeine Geschichte bei, die wenigstens ihrer Seltenheitwegen hier einen Platz verdient. Es ist bekannt,daß die alten heidnischen Völker an der Ostsee,Preußen, Letten, Kuren, Esthen u. f, wie andereVölker, ein Reich der Seelen glaubten; daher sie denKörper des Verstorbenen wohl anklcidcten, ihm diezur Reise »öthigcn, oder sonst seine besten Gerüchemitgaben, und nach dem Todtcnmahl, das sie derSeele des Verstorbenen zugerichtct halten, sie miteigenen (Zeremonien in ihren neuen Aufenthalt wie-sen. In einigen Strichen dieser Länder haben sichMeynungen, Sagen, abergläubische Gebräuche die-ser alten Zeit noch unter dem Landvolk erhalten, diedesto geheimer und heiliger fortgeerbt werden, ebenweil man sie nicht äußern darf, und weil sie so in-nig an der Sprache und Liebe ihrer Vorfahren haf-ten. Im Jahre 1768 also hatte ein vierzehnjähri-ges Bauermädchen in Liefland einen Traum, der siein das Land der Seelen zu ihren abgeschiedenen Vor-fahren versetzte: es war ihr daselbst so wohl, siegenoß ein so neues Vergnügen, daß sie sehnlichwünschte, immer da zu bleiben. Eine der verstor-benen Seelen gab ihr den Rach, sich, vom Um-gänge der Menschen weg, in einen Wald zu bege-ben, da ohne Speise und Trank, an einen Baumgelehnt, zu warten, so werde sie, ohne Tod, zu