82 IV. Von der menschlichen
lichkei t nennen möchte. Sie scheint von großemReiz. Edle, jugendliche Seelen opfern gern vor ih-rem Altar; manche leidenschaftliche Menschen habensie gar zum Einzigen Ziel ihrer Gedanken gewähltund, so zu sagen, in ihr gelebel. In den Jugend-zeiten der Welt nämlich, war allerdings auch der sü-ße Traum erlaubt, mit seinem Namen, in seinerPerson und Gestalt auf die Nachwelt überzugehen,und ein leibhafter Gott zu werden. Der enge Kreisder Empfindungen und Begriffe, in welchem damalsdie Menschen lebten, das Band einer blühendenund ewigen Sprache, das die verschiedenen StämmeEiner gemeinschaftlichen Abkunft mit einander ver-knüpfte, der Name Vaterland, der in Hellasund Rom die Gemüther an einander band, unddort die öffentlichen Spiele, ja alle Platze des hei-ligen Landes, hier die Hauptstadt der Welt und waszu ihr gehörte, gleichsam zum ewigen Schauplatzund TeMpel der Unsterblichkeit weihte ; vor allemaber die Gaben der Musen, die damals noch unterden Menschen wandelten , und das Gefühl einesganzen Volks zu einer TheilnehmuNg am Ruhmund der Unsterblichkeit ihrer Mitgenossen stimmten:dies alles konnte die Seelen der Mächtigsten, Wür-digsten, Weisesten, Schönsten, gleichsam in ein hö-heres Element erheben, daß sie, mit Göttern undHeroen umgeben, sich auch ihrem Namen, ihrer Ge-stalt nach, gleichsam leibhaftig in der Zahl derselbenfühlten, und die Schale der Unsterblichkeit schon beyLeibesleben tranken. Ohne dies Gefühl wären dieKünste und Gesänge Griechenlands und Roms nieso geehrt, geliebt, gesucht worden ; ohne dasselbe hättekein Homer und Pindar, kein Zlaccus und Maro