III. Vom Wissen und Ahnen. 4s
Leibnitz z. E. liebte zu vergleichen,fremde Einfälle neu zu nutzen, und 0,-. die wider-sprechendsten Ideen zu paaren: sein ganzes Sy-
stem offenbarte er also nicht anders, als wie csihm erschienen war, wie es in seiner Seele lebte,durch Blicke des Witzes und der Imagination,durch kurze Aufsätze und ewige Befreundungfremder Ideen, die im Feuer dieses Ursprungsund dieser Verbindung gefühlt werden mußten, oderLeibnitzens Geist war dahin und mit ihm alle origi-nelle, primitive Wahrheit des Eindrucks. Wolf,der das nicht zu fühlen vermochte, oder als Nach-folger und Erklärer zu fühlen nicht Zeit batte,machte aus Blitzen des Witzes und der AussichtTheoreme, die nun um so besser zu erweisen waren,weil sie die eingeschränkte, allbestimmte Realitätdes Ursprungs verlohren hatten, und Gemein-heiten waren, die Alles und Nichts enthalten durf-ten. Die Nachfolger des Schulzerglicderers zerglie-derten weiter, die deutschlateinische Sprache der Phi-losophie stand als ein Baum da, wo Raupen undKäfer an jedem Blatt eine Metaphysik dürrer Fa-sern aufgestellt hatten, daß die Dryade des Baumsum Erbarmung weinte — Leibnitz, Leibnitz, wowar dein Geist?
Statt dessen stahl sich aus England eine Phi-losophie herüber, die ihrem Geist nach (und alsoviel eigenthümlicher, als die sonst unter diesem Na-men bekannte) recht eigentlich mechanische Phi-losophie ist, oder wie sie sich nennet, Philosophiedes gesunden Menschenverstandes. Be-kannt ist's nemlich, daß die Britten bei ihren Ge-