44 HI. Vom Wissen und Ahnen.
Als Klopstock den Meßias sang; nothwendigsang er seinen Messias mit seinen Empfindun-gen; das waren seine Abstraktionen, Augen, mitdenen Er sah. Da er alles als Gehcimniß behan-delte, so schwieg er und betete an, zog Kreisesichtbarer und unsichtbarer Wesen umber, die auchsingen, d. i. s c h w e i g e n und a n b e t e n mußten— das war Klopstocks Manier. Sie geht bis inseine Lieder über, die auch singen, d. i. schwei-gen und anbeten — und nun kamen seine Nach-ahmer, ein entsetzliches Heer! Ohn' alle seine stilleRuhe, tiefe Neinigkeit, hohe königliche Feinheit,wollen sie aufjauchzen, schweigen und anb e-ten, wo gar nicht zu schweigen und anzubeten ist,singen überall den Meßias, wo gar kein Mcßias,singen Marienmäsig, Cidlisch, Hermannisch, eng-lisch, teuflisch, wo gar keine Eidli's und Marien,Engel und Teufel ftyn sollten. Die ganze Dicht-kunst bis zum einfältigen Gebet und heiligen Kir-chcnliede soll Klopstockianism ohne Klopstocks Geistund Herz werden — und nun treten die Philoso-phunculi hinten drein „seht, wie sie die Spracheund Dichtkunst an Originalen bereichern!" Jabereichern! durch plappernde Mohnköpfe, lyrischePapierdpachen und klingende Schellen in heiligerEhristenvcrsammlung! bereichern, daß jede Formder Dichtung und Sprache, an die sie die Händelegen, auf ewig an Gedanken verarmet; bereichern,Laß alles gemein wird, und Klopstocks Muse dastcht,ärgerlich parodirt — Schlimm! aber nicht schlim-mer, als' es der Philosophie erging und ergehenwird von nun an bis zu ewigen Zeiten.