Druckschrift 
24/27 (1846)
Entstehung
Seite
62
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Der Druck, den Valentine gefühlt, hatte zum Zweck,ihren Arm zurückzuhaltcn.

Dann nahm diese Gestalt, von der sich ihr Blick nichtlosmachen konnte, und die überdies mehr beschützend, alsbedrohlich zu sein schien, das Glas, hielt cs an die Nacht-lampe und beschaute den Trank, als ob sie seine Klarheitund Durchsichtigkeit beurtheilen wollte.

Doch die erste Probe genügte nicht. Dieser Mensch,oder vielmehr dieses Gespenst, denn er ging so leise, daßder Teppich das Geräusch seiner Tritte erstickte, dieserMensch schöpfte einen Löffel voll aus dem Glase und ver-schluckte ihn.

Valentine schaute das, was vor ihren Augen verging,mit einem Gefühle tiefen Erstaunens an. Sie glaubtewohl, dies Alles würde bald verschwinden, um einemandern Gemälde Platz zu machen; doch, statt wie einSchatten zu entweichen, trat dieser Mensch näher zu ihrund sagte, Valentine das Glas reichend, mit erschütterterStimme:

Nun, trinken Sie!"

Valentine bebte. Es war das erste Mal, daß einevon ihren Erscheinungen mit diesem lebendigen Klange zuihr sprach. Sie öffnete den Mund, um einen Schrei auS-zustoßen.

Der Mensch legte einen Finger auf seine Lippen.

Der Herr Graf von Monte Christo!" murmelte sie.

An dem Schrecken, der sich in den Augen von Va-lentine ausprägte, an dem Zittern ihrer Hände, an derraschen Geberde, mit der sie sich unter ihre Tücher steckte,konnte man den letzten Kampf deö Zweifels gegen dieUcberzcngung erkennen; doch die, Gegenwart von MonteChristo zu einer solchen Stunde, sein phantastischer, ge-heimnißvoller, unerklärlicher Eintritt durch eine Wand,erschienen als Unmöglichkeiten für das erschütterte Gehirnvon Valentine.

Rufen Sie nicht, erschrecken Sic nicht," sprach derGraf;haben Sie nicht im Grunde Ihres Herzens