Druckschrift 
24/27 (1846)
Entstehung
Seite
61
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nie eine Spur von den Phantomen der Nacht, welche mitTagesanbruch verschwanden, zurückgeblieben war.

Hinter der Thüre erschien eine menschliche Gestalt.

Valentine war in Folge ihres Fiebers zu sehr ver-traut mit solchen Erscheinungen, um darüber zu erschrecken;sie riß nur die Augen weit auf, in der Hoffnung Morrelzu erkennen.

Die Gestalt schritt auf ihr Bett zu, dann blieb sicstehen und schien mit einer tiefen Aufmerksamkeit zuhorchen.

In diesem Augenblick spielte ein Rester der Lampeauf dem Gesichte des nächtlichen Besuches.

Und sie wartete, überzeugt, es wäre nur ein Traum,und dieser Mensch würde, wie in den Träumen ge-schieht, verschwinden oder sich in irgend eine andere Per-son verwandeln.

Sie berührte sich nur den Puls, und als sic ihnheftig schlagen fühlte, erinnerte sic sich, das beste Mittel,diese überlästigcn Erscheinungen verschwinden zu machen,wäre, zu trinken; die Frische des Getränkes, das in derAbsicht bereitet war, die Aufregungen, über welche sichValentine bei dem Doctor beklagt, zu beruhigen, lindertedas Fieber und bewirkte eine Erneuerung der Empfindun-gen des Gehirnes; wenn sic getrunken hatte, litt sie füreinen Augenblick weniger.

Valentine streckte also die Hand aus, um ihr Glasvon der kristallenen Trinkschale zu nehmen, auf der esruhte; doch während sie ihre» zitternden Arm ausstrecktc,machte die Erscheinung abermals, und noch lebhafter alszuvor, zwei Schritte gegen das Bett und gelangte so nahezu Valentine, daß sie ihren Hauch hörte und den Druckihrer Hand zu fühlen glaubte. Diesmal überstieg dieIllusion oder vielmehr die Wirklichkeit Alles, was Valen-tine bis dahin erfahren hatte; sie fing an, sich für völligerwacht und ganz lebendig zu halten; sie hatte das Be-wußtsein, daß sie bei voller Vernunft war, und bebte.