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8 (1853) Der rothe Freibeuter : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
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Die Gouvernante gab keine Antwort, und die Neigung ihresHauptes ließ ihre Gefährtin vermnthen, daß auch sie dem erschüt-ternden Einflüsse der Musik huldige. Endlich dem Drange seineswechselvvllen Innern nachgcbend, schritt der Corsar ans Gertraudzu, indem er mit der Galanterie, die einer sehr verschiedenenScene Ehre gemacht hätte, und in einer Sprache, ganz im Cha-rakter der Höflichkeit des Zeitalters, sie folgendermaßen anredetc:

Die, deren bloße Stimme schon Musik ist, hat sicherlich dieGaben der Natur nicht vernachlässigt. Sie singen?"

Wenn Gertraud das Talent, das er ihr zntrante, auch besaß,so wurde ihr die Stimme bei seiner Aufforderung doch den Dienstversagt haben. Sie machte eine erwiedernde Verneigung, und dieWorte, welche ihre Entschuldigung enthalten sollten, waren selbstdem angestrengt Lauschenden kaum vernehmbar. Indes; bestand ernicht ans einer Bitte, die offenbar unwillkommen war, wendete sich,und that einen leisen, aber doch erweckenden Schlag an die Glocke.

Roderich," fuhr er fort, als der leichte Tritt des Knaben aufder zur Kajüte herabführenden Treppe hörbar ward,schläfst du?"

Die langsame und halb unterdrückte Antwort war natürlichverneinend.

Apollo war nicht abwesend, als Roderich das Licht der Welterblickte, Madame. Dem Knaben stehen Töne zu Gebote, an denenmehr als einmal schon die verhärteten Gefühle des Seemannsschmolzen. Geh, lieber Roderich, stelle dich an die Kajüten-thüre, und laß die Musik deine Worte leise begleiten.

Der Knabe gehorchte; die Stellung, die seine schlanke Gestalteinuahm, war so beschaffen, daß Denen, welche innerhalb der Be-leuchtung der Lampe saßen, der Ausdruck seiner bewegten Zügeunsichtbar bleiben mußte. Nun intonirten die Instrumente eineliebliche Einleitung, die bald zu Ende war; zweimal hatten sicdie Weise angefangen, und noch immer ließ sich keine Stimmehören.