Druckschrift 
8 (1853) Der rothe Freibeuter : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

407

Es ist wunderbar, wie sic bemerken," erwiederte der Andere,gleich einem vom Traum Erwachende».Tausend der blankstenGuineen, die je ans der Münze Georgs des Zweiten gekommen,gäbe ich darum, könnte ich die Geheimgeschichte dieses Jünglingserfahren."

Mit der Schnelle des Gedankens unterbrach hier Gertraudfragend das Gespräch:Also ist er Ihnen fremd?"

Der Rover starrte sie an, mit einem Auge aber, das sich, jelänger es schaute, in klareres Bewußtsein und solchen Ausdruckanflöstc, daß der Fuß der Gouvernante hörbar bebte, und nachund nach ihre ganze Gestalt.

Wer mag von sich behaupten, das Menschenherz zu kennen!"antwortete er, mit einer Kopfneigung, welche zu sagen schien, daßdie Angeredete zu einer viel tiefer» Huldigung vollkommen berech-tigt sei.Alle sind uns fremd, bis wir ihr geheimstes Innere ge-lesen haben."

Die Geheimnisse der menschlichen Seele dnrchdringen können,ist ein nur Wenigen vergönnter Vorzug," bemerkte die Erzieherin.Viele Erfahrungen und gründliche Kenntniß der Welt mußDer besitzen, welcher sich über die Beweggründe seines Neben-menschen ein Urthcil erlauben darf."

Und doch ist's eine angenehme Welt; es kommt nur daraufan, daß man den Mnth habe, sie sich dazn zu machen," rief derRover; ein Gedankensprnng, der seiner Unterhaltungsweise charak-teristisch war.Wer selbstständig genug ist, ungetheilt der natür-lichen Richtung seines Geistes zu folgen, findet Nichts schwierig.Glauben Sie mir, das wahre Geheimnis; des Weisen besteht nichtdarin, die gegebene Lebenszeit zu verlängern, sondern sie wirklichznm Leben zu verwenden. Wer nach Vollgenuß im fünfzigstenJahre stirbt, hat mehr gelebt, als Der, welcher sich mühsam durchein Jahrhundert schleppt, ohne es je gewagt zu haben, die Ca-price» der Welt, diese schwere Bürde, von sich zu werfen, der nie