Druckschrift 
8 (1853) Der rothe Freibeuter : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
396
Einzelbild herunterladen
 

396

Dann ist der Kapitän und das Schiff bei den Leuten beliebt;der Matrose pflegt immer das Fahrzeug und den Befehlshaber zulieben, wo er ein rührig Leben findet."

Ganz recht, Madame, wir führen ein rühriges Leben hier.Und es gibt auch Einige unter uns, denen das Schiff und der Be-fehlshaber lieb sind."

Und hast du eine Mutter, oder sonst Verwandte, denen deineGage zu Gute kommt?"

Habe ich ...."

Der Ton von Betäubung, in welchem der Knabe ihre Fragenbeantwortete, fiel hier der Gouvernante auf, daher wandte sie sichnnd überflog mit einem schnellen Blick sein Gesicht, um dessenAusdruck zu lesen. In einer Art von Besinnungslosigkeit standder Knabe da, und obgleich er sie anznschanen schien, so war seinAuge doch zn stier, als daß man hätte glauben können, er sähewirklich den Gegenstand, ans den er blickte.

Sag' mir doch, Roderich," fuhr sie fort, behutsam jede An-spielung ans seinen Zustand, die seine Empfindlichkeit hätte reizenkönnen, vermeidend,sag' mir doch, wie findest du denn dieseLebensweise? nicht wahr, recht lustig?"

Ich finde sie traurig."

Seltsam. Die jungen Schiffsknaben gehören doch sonst immerzn den lustigsten Sterbliche». Dein Offizier behandelt dich wahr-scheinlich sehr strenge."

Keine Antwort.

Ich hab's getroffen^ Dein Kapitän ist ein Tyrann."

Sie irren: - nie hat er ein hartes, »»gütiges Wort zn mirgesprochen."

Ach, er ist also sanft nnd gütig. Du bist sehr glücklich, Roderich."

Ich.... glücklich, Madame?"

Sprech' ich denn nicht deutlich? Ja, glücklich."

Ach so! ja; wir sind Alle sehr glücklich hier."