Druckschrift 
8 (1853) Der rothe Freibeuter : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
393
Einzelbild herunterladen
 

393

Ich mar lange genug auf einem Kriegsschiffe, um mit denSchiffsgebränchen vertraut zu sein," fuhr die Gouvernante fort,die eine so lange Panse gemacht hatte, um sich selbst erst alleGründe ihres Verdachtes klar werden zu lassen;allein niemalssah ich Sitten wie die, welche sich in diesem Schiffe von Stundezn Stunde deutlicher entwickeln."

Aber was für einen Verdacht haben Sie in Hinsicht des Schiffes ?"

Der Blick tiefer, zunehmender mütterlicher Angst, den dieliebenswürdige Fragestellerin als Antwort erhielt, würde genügthaben, um eine Andere, die mehr als dieß reine Wesen gewohntgewesen wäre, über die Verderbtheiten der menschlichen Naturnachzndenken, mit einer bestimmten Ahnung zn erfüllen; Ger-trauden jedoch gab der Blick blos den allgemeinen Begriff vonunbestimmter Gefahr.

Warum sehen Sic mich so an, meine Erzieherin meineMutter?" rief sie, indem sie sich vorwärts beugte, und mit einerbittenden Miene ihre Hand ans den Arm der Wyllys legte, alswollte sie dieselbe ans einer Verzückung znrückrnfen.

Ja, ich will mein Schweige» brechen: besser ist's, Sie wissendas Aergste, als daß Sie bei Ihrer schuldlosen Unbefangenheit derTäuschung ausgesetzt bleiben. Ich traue dem Gewerbe dieses Schiffesnicht, und ebensowenig dem Charakter Aller, die dazu gehören."

Aller?"

Ja, Aller."

Es kann freilich böse und mißwollende Menschen in der kö-niglichen Flotte geben, aber sie dürfen uns gewiß nichts zu Leidethun; die Furcht vor der Strafe, wenn nicht die Furcht vor Ent-ehrung, wird uns schützen."

Ich fürchte, die unbändigen Gemüther, welche dieses Schiffhegt, unterwerfen sich nur den Gesetzen, die sie selber sich mache»,und erkennen keine fremde Autorität an."

Dann wären sie ja Seeräuber!"