Druckschrift 
8 (1853) Der rothe Freibeuter : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
339
Einzelbild herunterladen
 

339

Offenherzigkeit, mit der sie die Frage that, bewies hinlänglich,daß ihre flecken- und arglose Seele von seinem wahren Charakternicht die entfernteste Ahnung hatte.

Zu denen auch Fräulein Grayson gehört," erwicderte er, sichleise verbeugend, und mit einem Lächeln, hinter dessen Heiterkeitsich Ironie verbarg.Nach den Gefahren, die Sie so kürzlichansstchcn mußten, kann selbst ich, ein so verstocktes und hart-näckiges Scenngeheuer, Ihnen die Abneigung gegen unser Elementnicht verdenken. Doch ist es, wie Sie sehen, nicht ohne seine Reize.Kein See, von dem Festlande dort nmkränzet, kann ruhiger undangenehmer sein, als dicß Stückchen Meer. Befänden wir unseinige Grade südlicher, so wollte ich Ihnen Landschaften zeigen,znsammcngescht ans Felsen, Gebirgen, Buchte», grüngetnpstenHügclabhängc», spielenden Wallfischen, nachlässig ausgestrccktcnFischern, Banernhntten in der Ferne und schlaffen Segeln kurz,es würde sich selbst in einem Buche nicht übel ansnehmen, dasdie glänzenden Angen einer Dame mit Vergnügen lesen."

Und doch gehören die meisten Gegenstände, die Sie nannten,dem Festlande an. Znm.Dank für dieß Gemälde möchte ich Sienach Norden führen, Ihnen dort finstere, drohende Wolken zeigen,ein grünes, verdrießliches Meer, Schiffstrümmer, Untiefen; auchHütten, Hügelabhänge »nd Berge sind da, aber nur in der Sehn-sucht der Ertrinkenden, endlich Segeltücher, gebleicht von Ge-wässern, die den gefräßigen Haifisch und den ekelhaften Polypenbeherbergen."

Gertraud hatte in seinem eignen, heitern Tone geantwortet;allein ihre blaffe Wange und ein leises Zittern ihrer weichen,vollen Lippe verricth nur zu deutlich, daß die Erinnernng mitihren entschlichen Bildern in ihr geschäftig war. Dieser Wechselentging dem scharfforschenden Blicke des Rovers keincswegcs, da-her gab er, um jedes schmerzliche Andenken zu verbannen, auf eine

22 -