337
„Sie flnd also ein königlicher Offizier?«
„Würde man irgend eine andere Autorität in einem königli-chen Schiffe gelten lassen? Durch den Tod wurde die zweite Stellein diesem Kreuzer vacant. Znm Gluck für das Bedürfniß desDienstes, vielleicht auch für mich, war ich bei der Hand, die Stelleansznfnllen."
„Aber sagen Sie mir doch noch," fuhr die Gouvernante fort,entschlossen, die Gelegenheit nicht vorübergeheu zu lassen, ohnesich noch mehr Aufklärung zu verschaffen, „ist es Sitte, daß dieOffiziere eines Kriegsschiffs bewaffnet unter ihren Leuten erschei-nen, wie es hier geschieht?"
„Es ist der Wille unseres Commandenrs."
„Dieser Commandenr ist offenbar ein geschickter Seemann,allein seine Capricen und seinen Geschmack finde ich ebenso außer-gewöhnlich wie seine Miene. Ich muß ihn schon einmal gesehenhaben, und wo ich nicht irre, erst vor Kurzem."
Mistreß Wyllys verfiel in ein mehrere Minuten langes Still-schweigen. Während der ganzen Zeit blickte sie unverrückt hin aufdie Gestalt des regungslosen Menschen, der noch immer in seinerruhigen Haltung verharrte, entfernt von dem ganzen Haufen, dener so gewandt in unbedingter Abhängigkeit von seinem Befehl znerhalten wußte. Die Gouvernante schien in diesen paar Augen-blicken auch die flüchtigste Eigenthümlichkeit seiner Person mitihrem Auge einsangcn zn wollen, das sie nicht müde wnrde, ansihm ruhen zu lassen. Sie holte alsdann tief Athem und ließvom Sinnen nach, indem sie sich erinnerte, daß sie nicht alleinsei, und daß Andere, schweigend und sie beobachtend, das Ergebnis;ihres Nachdenkens abwarteten. Ohne Verwirrung jedoch wegeneiner Geistesabwesenheit, an die ihre Schülerin schon zn sehr ge-wöhnt war, als daß sie ihr auffallen sollte, nahm sic, den Blick wiezuvor ans Wilder gerichtet, das Gespräch wieder da ans, wo sieselbst es unterbrochen hatte.
Der rvthe Seeräuber. 22