nähern können, vierte daher herum, und brachte das Vordertheilso nahe an Süd-West, als der Wind nur gestatten wollte.
Allein dieser unbedeutende Wechsel gab nicht viel Hoffnung.Mit jeder Minute wuchs die Gewalt des Windes, bis sic einenso hohen Grad erreicht hatte, daß er seine Hintcrsegel ganz ein-holen mußte. Der schlafende Ocean zögerte nicht, aufzuwachen;und kaum war die Barkasse bequem unter einem enggerefften Stag-fock geborgen, so begann sie auch schon auf den schwarzen, wach-senden Wogen sich zu heben, dann hinabzustürzcn in eine hohle See,um nach einer augenblicklichen Nnhe wieder in die Höhe zu steigen,wo ihrer die immer zunehmende Gewalt der Windstöße warteten.Das Anschlägen des Wassers und das Heulen des Windes, derjetzt voll und schwer über die blaue Wasserwüste einherstürmte, zogdie Frauenzimmer bald an die Seite ihres Beschützers. Auf ihrevielen und ängstlichen Fragen gab er besonnene, aber kurze Ant-worten, wohl fühlend, daß die Stunde weit mehr zu Handlun-gen als zu Worten anfforderte.
Ans diese Weise verstoßen die letzten zögernden Minuten derNacht, schwer durch eine mit den Augenblicken wachsende Angst,die jedes frische Anschwelleu des Windes geeignet war, doppeltqualvoll zu machen. Es kam der Tag, aber nur um die trostloseAussicht deutlicher vor Augen zu führen. Die Wogen sahen jetztgrün und mürrisch aus, und hie und da stürzte schon von ihrenGipfeln der weiße Schaum herunter — der untrügliche Beweis,daß ein Kampf zwischen den Elementen bevorstehe. — Drauf er-schien die Sonne über dem schroffen, ungleichen Saum des östlichenHorizonts, langsam hinauklimmend am blauen Himmelsgewölbe,welches kalt, durchsichtig und wolkenlos herabstarrte.
Wilder beobachtete alle diese Wechsel der Stunde mit einerAngelegentlichkeit, welche bewies, wie bedenklich ihm ihre Lagevorkam. Ihm schien es mehr darum zu thnn, sich über die Zeichender oberen Regionen zu unterrichten; denn wcniMeachtete er dasDer rothe Seeräuber. 81