Druckschrift 
8 (1853) Der rothe Freibeuter : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
240
Einzelbild herunterladen
 

240

Ich habe Ursache, zu glaube», daß ich zur See geboren wurde."

Glauben! Wissen Sie denn nicht, wo sie geboren sind?

Was dieses wichtige Ereigniß im menschlichen Leben betrifft,so muß wohl ein Jeder dem glauben, was ihm Andere davonsagen, wissen kann er's nicht," sagte Wilder lächelnd.Meinehöchsten Erinnerungen verschmelzen sich mit dem Anblick des Meeres,so daß ich mich wirklich kaum zn den Landgcschöpfen zn rechnen wage."

Wenigstens sind Sie dann glücklich gewesen in Beziehung ansDie, welche über Ihre Erziehung und die Tage Ihrer Kindheitwachten."

Das bin ich!" antwortete er mit vielem Nachdruck, fuhr mitder flachen Hand flüchtig über die Stirn, stand dann ans, undfügte traurig lächelnd hinzu:Und min zn meiner letzten Pflichtin den viernndzwanzig Stunden. Fühlen Sie sich geneigt, einenBlick in die Nacht zn thnn? Eine so erfahrene und muchige See-fahrerin sollte ihre Hängematte nicht eher besuchen, als bis sie sichvom Instand des Wetters unterrichtet hat."

Sie nahm seinen gebotenen Arm an, und schweigend stiegensie die Treppe der Kajüte hinan, Beide scheinbar in Betrachtun-gen versunken. Die jugendlichere, regsamere Gertraud folgte, undAlle begaben sich auf die Schanze des Schiffes.

Die Nacht war nicht so sehr finster als nebelicht. Der volleund glänzende Mond war zwar anfgegangen; allein er verfolgteam Abendhimmel seinen Pfad hinter düsteren Wolkenmassen, dieviel zn dicht waren, als daß seine erborgten Strahlen sie hättendurchdringen können. Hier und dort machte sich wohl ein ein-samer Strahl Bahn durch einen minder dichten Dnnstkörper, undschimmerte auf dem Wasser gleich der bleichen Erleuchtung eines fer-nen Kerzenlichtes. Da der Wind straff von Osten blies, so schien derbewegte Spiegel der See mehr Licht ansznstrahlen als er erhielt;

') Der Autor vermuthet, daß jeder Seemann ihm gerne jdie Thatsache bezeu-gen wird, daß, zumal aus dem atlantischen Meere, das Leuchten der, See bei Ost-