98
der Humor gestimmt ist. Hier die Streifen von Indien. Hierdie königliche Standarte selbst."
„Was? die königliche Standarte?"
„Warum nicht? Ist der Schiffscommandcnr nicht ein Monarchin seinem Schiff? Ja, ja, dieß ist des Königs Standarte, und wasnoch mehr, ich habe sie in Gegenwart eines Admirals aufgezogen."
„Das verdient eine Erklärung," rief der Zuhörer aus, welcherdie Art von Scheu und Abscheu zu suhlen schien, die einen Geist-lichen bei Entdeckung eines Kirchenraubes anwandeln würde. „Wie?die königliche Standarte vor einer andern Flagge ansznziehe»! Wirwissen Alle, welche» Verdrießlichkeiten, welchen Gefahren sich Der-jenige aussetzt, der nur zum Scherze eine bloße Wimpel flatternließe, wenn ein königlicher Kreuzer im Anzüge ist."
„Ei ja doch, aber mir macht es Spaß," unterbrach der Anderemit gedämpftem doch bitterem Lachen, „mich gegen die Schuftein die Brust zu werfen. O, es ist köstlich, sie hcransznfordcrn!Um mich strafen zu können, müssen sie stark genug sein; sie habenes mehrmals versucht, aber immer ans ihre Kosten. Nichts machtso richtige Rechnung, als wenn man dem Landesgesetz ein tüch-tiges Stück Segelzeng entgegen halten kann. Mehr brauche ichnicht zu sagen."
„Aber welcher von diesen Flaggen bedient Ihr Euch am öfte-sten?" fragte Wilder nach einer Panse augenblicklichen Nachdenkens.^ „Beim bloßen Segeln, muß ich Euch sagen, bin ich so wetter-wendisch und mankelmüthig wie ein Mädchen von zehn Jahren inder Wahl ihrer Bänder. Ich wechsle oft die Flagge, ein DutzendMal des Tages. Wie mancher ehrliche Kanffahrer hat, wenn er«inen Hafen verließ, versichert: er habe in offener See mit einemHolländer oder Dänen gesprochen? Wenn's aber an ein Gefechtging, wo ich freilich auch manchmal meiner Laune Gehör gab,und es war mir recht Ernst dabei, so war es vor Allem Eine,von der ich mir den meisten Erfolg versprach."