59
sollten, Sie auf den geringen Beistand, den Sie von mir erwar-ten, sicher rechnen könnten."
„Frau Wyllys sprach Dieses mit Würde, aber auch mit demje-nigen Grade von bescheidener Zurückhaltung, welche das Verhältnis;der vermögenden, hochgeborenen Tante zu der bezahlten, abhängigenErzieherin der Erbin ihres Bruders, ihr zur Pflicht machte. Dabeiwar ihr Anstand edel und ziemend, und ihre Stimme, 'wie dieStimme ihres jungen Zöglings, sanft und entschieden weiblich.
„Folglich können wir den Sieg für entschieden achten, wie sichmein verstorbener Gemahl, der Contre-Admiral, auszudrücken pflegte.Der Admiral de Lacey hatte, meine liebe Mistreß Wyllys, frühzei-tig im Leben die Maxime zur Regel genommen und sein ganzesHandel» danach eingerichtet, — und er verdankte dieser Maximeeinen großen Theil des Rufes, worin er ans der See stand —,daß zum Gelingen nur Eines erfordert werde, nämlich: es zuwollen; eine schöne, edle und ermuthigende Maxime, eine Maxime,wobei es nicht fehlen konnte, daß sie ihn zu den ausgezeichnetenErfolgen geführt hatte, welche uns Allen bekannt sind."
Wyllys verneigte sich, zum Zeichen, daß sie völlig der Meinungsei, und zum Beweis, wie sehr sie das Verdienst des verstorbenenAdmirals anerkenne, hielt es aber nicht für nöthig, etwas zu er-wiedern. Anstatt sich länger mit diesem Gemeinsah zu beschäftigenund ihn wortreich auszuspinnen, drehte sie sich zu ihrer jungenEleve und bemerkte mit einem Tone und Wesen, aus welchem Alles,was Zwang und Zurückhaltung heißen mag, verbannt mar.
„Liebste Gertraud, Sie werden das Vergnügen haben, wiedernach dieser lieblichen Insel zurückzukchrcn, die kühlenden Seewindeeinzuathmen . . .."
„Und meine Tante wieder zu scheu," setzte Gertraud hinzu.„Meine Wünsche wären, daß mein Vater sich entschlöße, seineGüter in Carolina loszü'kchlagen, nach Norden zu ziehen und dasganze Jahr hier zuzubringen."