546
„ES würde mir das Herz brechen, wenn ich anders denkenmüßte, mein Liebling. Nein, nein, ich habe keine Tochter ver-loren, wohl aber einen Sohn gewonnen."
„Und welchen Platz darf ich in dieser Scene der Zärtlichkeit ein-nehmen?" fragte John Effinghai», welcher rückfichtsvoll zuerst Gracesein Compliment gemacht hatte, damit fie fich in einem solchen Augen-blicke nicht vergessen fühle, wie cS denn auch seiner klugen Einlei-tung zuzuschreiben war, daß ihr jetzt die Glückwünsche der übrigenGesellschaft zu Theil wurden. „Soll ich Beides, Sohn und Tochterverlieren?"
Eva machte fich, durch ihre Thronen lächelnd, aus dem Armihres ValerS loS und wurde nun von denen des Vaters ihres Gat-ten ausgenommen. Nachdem er fie mehreremal zärtlich auf die Stirnegeküßt hatte, strich fie, noch immer an seiner Brust liegend, dasreiche Haar aus ihrer Stirne, fuhr ihm, wie einem Kinde mit derHand über die Wange und sagte leise:
„Vetter Jack!"
„Ich glaube, dies muß fortwährend mein Rang und meineStellung bleiben. Paul wird unfern Gefühle» keinen Abtrag thun— wir können uns lieben, wie wir es stets gethan haben."
„Paul steht gewiß nicht zwischen Euch und mir. In meinenAugen wie in meinem Herzen seyd Ihr stets ein zweiter Vater ge-wesen. Lieber, theurec Vetter Jack."
John Esfingham drückte die schöne, erröthende Braut wieder ansein Herz, und beide fühlten, ihrer Sprache zum Trotz, daß einneues und theurereS Band, als das frühere, fie an einander knüpfte.Eva empfing nun die Glückwünsche der übrigen Gesellschaft, worauffich die beiden Bräute zurückzozen, um das Festkleid gegen eineneinfacheren Anzug umzutauschen.
In ihrem Ankleidezimmer fand Eva Anna Sidleh, die unge-duldig darauf wartete, ihre Gefühle ausgießen zu können, denn das