Brief von ihr mich finden würde, denn ich hatte angcfangen, eineaufrichtige Zuneigung zu ihr zu fühlen, die sich allerdings nichtzur Leidenschaft steigern konnte, und ich gab daher der HoffnungRaum, mit ihr wieder vereinigt zu werden, sobald ihre verletztenGefühle Zeit gewonnen hätten, sich zu beruhigen. Die Verpflich-tungen einer Ehe sind zu ernst, als daß sie so leicht bei Seite ge-worfen werden könnten, und ich fühlte die lleberzeugung, daß kei-nes von uns Frieden' finden könne, wenn es nicht zuletzt noch dieObliegenheiten erfüllte, die ihm der Stand, welchen wir einge-gangen, anwicsen."
„Und warum eiltet Ihr nicht zu Eurer Gattin, Vetter Jack,"fragte Eva, „als Ihr aus den Ansiedelungen zurückkehrtet?"
„Ach, mein liebes Kind, ich fand zu St. Louis Briefe, diemir ihren Tod meldeten. Von einem Kinde war darin nicht dieRede, und ich hatte nicht im mindesten geahnet, daß mir die Aus-sicht bevorstand, Vater zu werden. Mit Mildreds Tode glaubteich alle Bande, alle Verpflichtungen und alle-Spuren meiner un-überlegten Heirath erloschen, wie denn auch die Schritte, welcheihre Verwandten einschlugen — es waren ihrer nur noch wenigein Amerika geblieben — mir keine Lust machten, die früherenVorgänge zu veröffentlichen. Da ich mich still verhielt, so galtich natürlich fortwährend als Junggeselle, obschon mir Jedermann,der mich kennt, glauben wird, daß ich mit einer Erklärung nichtgesäumt haben würde, sobald sich auch nur ein scheinbarer Grunddafür ergeben hätte."
„Darf ich fragen, mein theuerster Sir," begann Paul mit einerSchüchternheit, welche bekundete wie ungern er diesen doch so nöthi-gen Punkt berührte — „darf ich fragen, mein theurer Sir, welcheMaßregeln von den Verwandten meiner Mutter getroffen wurden?"
„Ich habe den Bruder meiner Gattin, Mr. Warrender, niegekannt, wohl aber gehört, daß er ein hochfahrender, gewaltthäti-ger Mann scy. Seine Briefe waren nicht freundlich — kaum er-