491
in dem Glauben, er sehe Eva in einem Anzuge, der von ihremgegenwärtigen nicht sehr verschieden war, da die Mvde in denletzten zwanzig Jahren keine sehr ausfallende Veränderung erlittenhatte, rief er:
„Dies ist in der That ein Schatz, Mr. Effinghani, und ichbeneide Euch aus ganzem Herzen um den Besitz desselben. ES istähnlich — und doch in manchen Einzeluheiten unähnlich — überNase und Stirne läßt es Miß Effingham kaum Gerechtigkeit wider-fahren."
John Effingham stutzte, als er das Miniaturbild in PaulsHand sah; er faßte sich jedoch bald wieder, lächelte über dieSelbsttäuschung seines jungen Freundes und sagte gelassen:
„Es ist nicht Eva, sondern ihre Mutter. Die beiden Züge,die Ihr eben genannt habt, stammen aus meiner Familie; aber inallem Nebligen ist die Aehnlichkeit in hohem Grade auffallend."
„So ist dies also Mrs. Effingham!" murmelte Paul, dasBild der Mutter seiner Geliebten mit wehmüthiger Achtung undeiner Thellnahme betrachtend, welche noch erhöht wurde, da er dieGeschichte dieser Frau kannte. „Sie starb jung, Sir?"
„Leider. Man kann kaum sagen, daß sie zu früh ein Engelwurde, denn sie ist stets ein Engel gewesen."
Er sprach dies mit einer Erregung, welche Paul nicht entgingund ihn sehr überraschte. Es waren noch sechs oder sieben PvrtraitS-Futterale in dem offenen Fache, und da er glaubte, das oberstegehöre zu dem Bilde, das er in der Hand hielt, so nahm er eSauf und öffnete mit einer Art frommer Ehrfurcht den Deckel, umdas Portrait von Eva'S Mutter hineinzulegen. Statt aber einleeres Futteral zu finden, traf sein Auge auf ein anderes Miniatur-bild, und ein Ausruf freudiger Neberraschung entglitt den LippendeS jungen Mannes.
„WaS Euch so in Entzücken versetzt, muß wohl das Bildmeiner Großmutter seyn," sagte John Effingham lachend. „Ich