409
Mr. EsfinghamS Besuchzimmer fanden nicht selten KartenspieleStatt, und in einem der Gemächer stand ein Billard-Tisch; diebeiden frommen Herren ergingen sich daher oft bei Seite in beißendenStichelreden über dieses auffallende Beispiel von Jimnoralität inin einer Familie von so hohen moralischen Ansprüchen und pflegtenihre Erörterungen damit zu schließen, daß fl- sich nach irgend einemabgeschiedenen Stübchen im WirthShause begaben, wo sie, nachdemsie sorgfältig die Thüre geschloffen und die Vorhänge niedergelassenhatten, Branntwein auftischen ließen und sich ein Erholungsstündchenmachten, indem sie zugleich allen ihren Witz aufboten, um sichgegenseitig vermitttclst eines kleinen Karlenspielchens die ungeradenSechSpcncestückc abzunchmen.
Bei der gegenwärtigen Gelegenheit übrigens übte Evas Ernsteinen beschwichtigenden Einfluß aus das Gewissen der beiden Ehrenmän-ner, denn da die liebliche Stimme unserer Heldin stets den Toneiner Dame von Bildung einhielt, so verfehlte die Milde und Weich-heit derselben ihres Eindruckes nicht. Hätte sich allenfalls JohnEsfingham in einer Weise wie sie geäußert, so würde Mr. Braggwahrscheinlich eine Antwort versucht haben; unter den obwaltendenUmständen aber zog er eS vor, seine Verbeugung zu machen undin Gemeinschaft mit seinem Gefährten den nächsten besten abweichen-den Pfad einzuschlagen. Eva und Paul dagegen setzten ihren Spa-ziergang fort, als ob gar keine Unterbrechung stattgefunden hätte.
„Diese Lust zum Wechsel wird im Land immer allgemeiner,"bemerkte Mr. Powis, sobald AristobuluS und sein Freund sie ver-lassen hatte, „und ich halte sie für eines der schlimmsten Zeichender Zeit, um so mehr, da man sie so gerne mit der sogenannten,Aufregung* in Verbindung zu bringen pflegt."
„Kehren wir wieder zu dem Thema zurück, in welchem unsdiese Gsntlemen unterbrochen haben — zu den Familienbandcn,"versetzte Eva. „Ich habe stets England als eines der schlagendstenBeispiele einer Nation namhaft machen hören, bei welcher diese