zwingt mich, zu sagen, daß mir ihre große Ncberlegenheit überEuch ganz entgangen ist."
„Dies mag wohl wahr seyn, Sir George Templemore, denngeraume Zeit erging es mir ebenso. Erst eine genauere Bekannt-schaft mit ihr lehrte ste mich schätzen, wie sie geschätzt werdenmnß, und es ging dabei allmählich — Stunde um Stunde. Dochauch Ihr mußt bemerkt haben, wie schnell und gewissermaßen ausinnerem Verständlich meine Muhme und MrS. Bloomsteld gegen-seitig auf ihre Ideen eingingen — welchen seinen Geschmack undwelche umfassende Belesenheit beide zeigten, ohne dabei ihrem weib-lichen Charakter auch nur das Mindeste zu vergeben. Mrs. Bloom-steld ist eine merkwürdige Frau, liebt aber dergleichen Schau-stellungen, weil ste weiß, wie trefflich ste sich darin ausnimmt.Bei Eva Effingham ist der Fall anders, denn obschon ste an allemGeistreichen Freude hat, benimmt ste sich doch stets in der ein-fachsten Weise. So fügte stchs erst gestern, daß die Unterhaltungsich um einen Gegenstand drehte, welchen mir Eva auf meine aus-drückliche Bitte umständlich auScinandersetzte. Um das Gesprächmehr zu beleben, hatte sie MrS. Bloomsteld beigezogen; aber stebehielt mehr als die Hälfte ihres Wissens für sich, damit eS nichtden Anschein gewinne, als übertrcffe ste ihre Freundin. Nein, nein,nein, eS gibt in dieser Welt kein zweites Frauenzimmer, wie EvaEffingham ist."
„Eine so scharfe Auffassung des Vortrefflichen an Anderndeutet selbst auf eine vortreffliche Seele."
„Ach, ich kenne jetzt meine eigene Unbcdeutsamkeit, und EureGüte, Sir George Templemore, wird mich nie überreden, einebessere Meinung von mir selbst zu fassen. Eva ist auf Reisen ge-wesen, hat in Europa viel gesehen, was man hier nicht kennt,und wußte, statt ihre Jugend i» mädchenhaften Tändeleien zu ver-bringen, die kostbaren Minuten mit Eifer zu benützen."