53
„Wie kannst du wissen, meine Liebe, daß sich irgend Jemandbesser dünkt, als wir?" fragte der Gatte.
„Warum besuchen uns nicht Alle?"
„Warum besuchst du selbst nicht Jedermann? ES würde einesaubere Haushaltung abgebcn, wenn Du nur diejenigen besuchenwolltest, die mit uns in der gleichen Straße wohnen."
„Wie, Du wirst mir doch nicht znmuthen wollen, daß ichalle die Gewürzkrämerfrauen an den Ecken und den ganzen Troßin der Nachbarschaft besuchen soll? Ich meine damit bloS, daßalle Leute von einem gewissen Schlag diejenigen, welche in der-selben Stadt zu der gleichen Klasse gehören, besuchen sollten."
„Du solltest wenigstens in Betreff der Zahl Ausnahmen ma-chen. Erst heule sah ich die Nummer 3650 ans einem Karren,und wenn die Weiber aller dieser Karrenfuhrleute einander be-suchen wollten, so müßten sie täglich ihre zehn Visiten machen,um in zwölf Monaten die ganze Liste zu durchlaufen."
„Ich bin nie so glücklich, mich in derartigen Dingen Dir be-greiflich machen zu können."
„Ich fürchte, mein Schatz, daß der Grund einfach darin liegt,weil Du Dich selber nicht recht begreifst. Anfangs sagtest Du,Jedermann solle Jedermann besuchen, und dann erklärtest Du, Nie-mand besuchen zu wollen, den Du nicht für gut genug hältst, vonMrS. Jarcd Jarvis besucht zu werden."
„Ich bin einfach der Ansicht, daß Niemand in New-Vork dasRecht hat, sich für besser zu halten, als wir sind."
„Besser? — In welchem Sinne besser?"
„In dem Sinne, daß sie sich für zu gut halten, uns zubesuchen."
„Dies mag Deine Ansicht sey», meine Liebe; aber An-dere urtheilen vielleicht anders. Du hältst augenscheinlich Dichselbst für zu gut, MrS. Union, die Würzkrämerin, zu besuchen,obschon sie in ihrer Art eine ganz treffliche Frau ist; und wie