welche die von Verantwortung freie Liebe einer Großmutter be-zeichnet. So brachten die zwei Frauen die Hälfte ihrer Zeit inder Kindsstnbe zu, welche zwischen ihren beiderseitigen Zimmerneingerichtet worden war, und Mand blieb weit mehr als sonst sichselbst und ihren eigenen Gedanken und Gefühle» überlassen.
Diese einsamen Stunden pflegte unsere Heldin großentheils imWalde znzubringen. Gewohnheit hatte sie so kühn gemacht, daß dieFurcht niemals ihre Spaziergänge verkürzte oder ihrem VergnügenAbbruch thac- An Gefahren gewöhnlicher Art war buchstäblich garnicht zu denken; nie hatte sich irgend Jemand anders als auf denregelmäßigen Pfaden dem Thale genähert, und die Ranbthiere warenvon den Jägern so emsig verfolgt worden, daß sich nur selten einesin dieser Gegend sehen ließ. Den Panther ausgenommen, war imSommer kein anderer der wilden Vierfüßler zu fürchten, und vonersterer Gattung hatte weder Nick, noch einer der zahlreichenJägerslente, welche seht seit zehn Jahren die benachbarten Hügelfleißig besuchten, jemals ein Exemplar getroffen.
Es war am LSsten September 1776, Abends etwa drei Stundenvor Sonncnnntergang, als Mand Willoughb» ganz allein einen jenereinsamen Viehpfade in der Nähe einer felsigen Anhöhe verfolgte,welcher auf einen hübsche» Aussichtspunkt mündete, wo Mike aufihres Vaters Geheiß einen rohen Sitz angebracht hatte. Er lag ansder abgelegensten Seite der Lichtung, ferne von allen Wohnungen;war man aber einmal auf der Höhe, so hatte man das ganze kleinePanorama rings um den ehemaligen Teich zu seinen Füßen. Damalswaren bei Damen die wohlbekannten Zigcnnerhüte in der Mode,welche dem Gesichtchen unserer Heldin ansnehmcnd gut standen. DerAufenthalt im Freien hatte ihren Teint etwas höher gefärbt, undwenn jetzt auch ein Zug von Träumerei oder wenigstens von Nach-denken ihr süßes Antlitz für gewöhnlich beschattete, so gab dochdie reiche Blüthe der Wangen ihren Augen einen Schimmer,ihrer ganzen Schönheit einen Glanz, um welchen die stolzeste