159
„Lassen Sie mich nicht länger darauf warten, Mutter; mirist zu Mnthe, wie einem Gefangene», der auf seine Anklageharrt. Was habe ich begangen?" '
„Was du begangen hast? — Das mochte ich eher von dirhören. Du kannst nicht vergessen haben, Robert, wie ängstlichich darauf bedacht war, die häusliche Zärtlichkeit unter meinenKindern zu wecken und zu erhalten, wie viel Gewicht dein Vaterund ich jederzeit darauf gelegt haben, und wie sehr wir bemühtwaren, auch euch, unsere Kinder, recht lebhaft hievon zu über-zeugen. Die Familienbandc und die Liebe^ welche sie erzeugensollten, gehören unter allen irdischen Pflichten zn den schönsten:vielleicht daß ältere Personen ihren Werth noch mehr, als jungeLeute, erkennen; uns aber wird eine Schwächung derselben kaumweniger beklagenswerth, als der Tod selbst, erscheinen."
„Thenerste — thenerste Mutter! Was können Sie — wasmögen Sie wohl meinen? Wie kann ich — wie kann Maudhiebei betheiligt sein?"
„Spricht nicht das Gewissen bei euch Beiden? Ist nicht einMißverständnis; — vielleicht ein Streit — jedenfalls eine gewisseKälte zwischen euch eingetreten? Eine Mutter besitzt einen eifer-süchtigen Scharfblick, und ich habe seit einiger Zeit bemerkt, daßzwischen euch Beiden nicht mehr das alte Vertrauen, die freieNatürlichkeit herrscht, welche früher bestanden und eurem Vaterund mir so manche glückliche Stunde bereitet hat. Jetzt rede,mein Sohn, und laß mich wieder Frieden zwischen euch stiften."
Robert Willoughby hätte Maud in diesem Augenblick nichtansehen können, und wenn man ihm gleich eine Obristen-Stellezur Belohnung geboten hätte; auch Maud war gänzlich außerStand, die Augen vom Boden zu erheben. Der Major erröthetebis zn den Schläfen — ein Zeichen seiner Schuld, wie seineMutter glaubte; das Mädchen aber glich eher einem Marmorbild,als einem Wesen von Fleisch nnd Blut.