neu der „Marter durch junge Bäume" zu unterwerfen, um zu se-hen , ob er diese Qual ohne Klage ertrüge. Da nicht alle unsereLeser von dieser grausamen Weise, einen Menschen zu martern, ge-hört haben werden, wollen wir uns deutlicher machen.
Es gibt kaum ein Mittel, dem Feinde Schmerzen zn bereiten,das der nordamerikanische Wilde nicht versucht hätte, wenn er da-zu Gelegenheit fand. Verfehlt der höllische Scharfsinn, welcher beisolchen Veranlassungen geübt wird, seine Wirkung, so hat man Ge-fangene selbst andere Qualmiitel angeben hören, welche sie beiihrem eigenen Volke mit Erfolg hatten anwenden sehen.
Oft erhebt sich ein seltsamer Wettstreit zwischen den Quälernund den Gequälten, jene bieten Alles aus, die Schmerzen zu stei-gern, diese strengen jede Kraft an, um ihre Seelenstärke in demErtragen derselben zu bewähren. Der Krieger erwirbt sich, wiebemerkt worden, nicht minder» Ruhm durch die Vereitelung allerAnschläge seiner Sieger, ihm eine Klage abzulockcn, während erihrer höllischen Grausamkeit preisgegeben ist, wie durch große Waf-fenthateu. Vielleicht drücken wir uns richtiger aus, wenn wirsagen, dicß sei bei den Indianern Sitte gewesen, denn es ist ge-wiß, daß die Civilisation in ihrem allmähligen Vorschrcitcn, ob-gleich sie Manches dazu beitrug, den rothen Manu zu entsittlichenund herabzuwürdigen, seinen Charakter zu ändern und zu sänsti-gcn beginnt, und ihn seinen früheren wilden Gewohnheiten — vorallen der hier in Frage stehenden — entfremdet. Wahrscheinlichsind die entfernteren Stämme allen diesen alten Sitten noch zuge-than, man darf aber hoffen und zumal glauben, daß die, welcheden Weißen näher leben, ihnen entsagt haben.
Die „Marter durch junge Bäume" ist eine Folterart, aufwelche der Wilde sich natürlich hingewiesen sieht. Junge Bäume,welche nicht weit von einander stehen, werden ihrer Acste beraubtund einander genähert, indem man die Stämme biegt, das Opferwird dann mit den ausgespanntcn Armen, oder mit den Füßen,