304
Hier machte sich eine leichte Erregung der Zuhörerschaft be-merklich, denn die Meisten waren über diese naturgeschichtliche Frageentschieden anderer Ansicht. Der Missionär war aber jetzt von sei-nem Gegenstände so ergriffen, daß er diese unbedeutende Unter-brechung übersah und fortfuhr, als hätten seine Zuhörer ihren Bei-fall an den Tag gelegt.
„Und er schied sie hernach in Nationen und Stämme. Jetztgab er zu, daß sich die Farbe seiner Geschöpfe veränderte. Einigeblieben weiß, wie er sie geschaffen hatte. Einige stellte er hintereine dunkle Wolke und sie wurden ganz schwarz. Unsere weißenMenschen glauben, dieß sei zur Strafe für ihre Sünden geschehen.Einige malte er roth, wie die Nationen ans diesem Festlande."
Hier erhob Peter einen Finger, als Zeichen, daß er eine Fragezu stellen wünsche, denn ohne vorhergegangene Erlaubniß würdekein Indianer einen Redner unterbrechen. In der That durfte nurein Mann von Peter's Ansehen es wagen, Etwas dieser Art zuthun, und auch er würde sich dieß kaum erlaubt haben, hätte ernicht in den funkelnden Augen so Vieler in dem düstern Kreis einebrennende Neugierde gelesen.
„Siedet, Peter," sagte der Missionär auf dieses Zeichen, „ichwerde antworten."
„Möge mein Bruder uns sagen, warnm der große Geist denIndianer roth gemalt hat? zürnte er ihm? oder that er es ausLiebe?"
„Dieß ist mehr, als ich euch sagen kann, Freunde. Es gibtviele Farben unter den Menschen in den verschiedenen Theilen derWelt, und viele Schattirungen unter Völkern derselben Farbe. Esgibt Blaßgesichter, die weiß sind, wie die Lilie, und es gibt Blaß-gesichter, welche so dunkel find, daß sie sich kaum von Schwarzenunterscheiden. Die Sonne hat dabei großen Antheil, keine Sonnejedoch und kein Schatten wird je ein Blaßgesicht zu einer Rothhaut,oder eine Rothhaut zu einem Blaßgesichte machen."