Druckschrift 
18 (1845) Miles Wallingfords Abenteuer zu Land und zur See
Entstehung
Seite
648
Einzelbild herunterladen
 

648

meiner Seite nieder. Ich ward durch diesen Beweis ihrer Liebebis zu Thränen gerührt, denn er schien viel eher der Zärtlich-keit eines heiligen, abgeschiedenen Geistes, welcher diejenigennoch umschwebt, die er auf Erden geliebt hat. als einer welt-lichen Regung anzugehören. Ich schloß das theure Mädchen anmeine Brust, als ich sie in jener Nacht an der Thüre ihres Gema-ches verließ, um mit schwerem Herzen mein eigenes Lager auszu-suchen.

Seemänner beten nur selten weit weniger als sie unterden rauhen Auftritten ihres gefährlichen Lebenslaufes thun sollten.Gleichwohl hatte ich die Lehren meiner Kindheit nicht ganz vergessenund Pflegte sie manchmal noch zu üben. Zn jener Nacht aber beteteich inbrünstig zu Gott und flehte ihn an. meine Schwester zuverschonen, wenn es seiner Weisheit also gefiele; auch rief ichihn demüthig um seinen Segen an für den trefflichen Geistlichen,wie für die geliebte Lucy.

Ich scheue mich nicht, dies zu gestehen mag auch darüberlachen, wer da will.

NennundzwanzigsteS Kapitel.

Wo Harm, da ist auch Trost zu finden;Härmt Ihr Euch über meinen Liebeskummer,So schenkt mir Liebe Harm und KummerSind mir erloschen dann.

Wic'S Euch zefällt.

Während des nächsten Vormittags bekam ich nur wenig vonmeiner Schwester zu sehen. Sie hatte in der letzten Zeit immerauf ihrem eigenen Zimmer gefrühstückt und bei dem kurzen Besuche,den ich daselbst abstattete, fand ich sie ruhig und mit einem An-schein erneuter Stärke, der mich für die Zukunft sehr ermuthigte.