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makellosen Bettdecke, auf der sie lag, ganz wie wenn sie nichtwüßte, was sie sagen oder denken sollte.
»Ich sehe schon, wie'S steht," fuhr ich mit gezwungenemLächeln fort, „meine Andeutung war unbescheiden. Ein rauherSohn Neptun's ist kein geeigneter Vertrauter für Miß Lucy Har-dinge S Geheimnisse. Vielleicht hast Du Recht: denn Treue unterEuch selbst ist eine unumgängliche Pflicht Eures Geschlechts."
„Es ist nicht das, MileS. Ich bezweifle, ob Lney mir jemalseine Linie schrieb, welche Du nicht lesen dürftest; zum Beweis hiefürsollst Du das ganze Packet ihrer Briefe haben, mit voller Er-laubniß, jeden derselben durchzulesen. Es wird scyn, als ob Dudie Korrespondenz einer zweiten Schwester durchgingest!"
Mich dünkte, Graee habe auf das Mort ,Schwester* einenbesondern Nachdruck gelegt und ich fuhr bei diesem unwillkommenenKlange zusammen, denn unwillkommen war er mir — so weit erLucy Hardinge betraf — in einem Grade, wie ich ihn unmöglichzu beschreiben vermag.
Ich hatte bemerkt, daß Lucy für mich niemals einen dieserAusdrücke gebrauchte, und dies war einer der Gründe, warum ichmich der thörichten Vermulhung hingab, als ob sie sich einer zärt-licheren Empfindung bewußt sey. Allein Lucy war so natürlich,so frei von jeder Uebertreibung, so lauter und gerecht in allen ihrenGefühlen, daß man die gewöhnlichen Aeußcrungen mädchenhafterSchwäche bei ihr gar nicht erwarten durfte.
Meine Schwester rief mittlerweile Chloe'u herbei, gab ihr dieSchlüssel zu ihrem Schreibtisch und befahl ihr, mir das bezeich-nete Packet zu bringen.
„Geh jetzt, Miles, und sieh' sie durch," sagte meine Schwester,als ich die Briefe empfing; „es müssen ihrer mehr als zwanzig seynund Du kannst vor der Effensstunde noch die Hälfte durchlesen. BeiTisch treff' ich Dich wieder; aber nicht wahr, ich darf Dich bitten,den guten Mr. Hardinge nicht zu erschrecken. Er hält mich nicht