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Augenblicklich erhob sich Grace aus meinen Armen: sie erschienmir'in jenem Momente mehr wie eine himmlische Erscheinung, alswie ein Wesen, das noch mit dieser gottlosen Welt in Verbindungstand. Man konnte kaum sagen, daß ihre Schönheit nothgelittcnhatte, nur fürchtete ich, sie würde mir noch im Laufe der Unter-redung erliegen, so schwach und gebrechlich schien das Band, dassie »och mit dem Leben verknüpfte. In gewisser Beziehung hatteich sic nie lieblicher gesehen, als sie mir bei dieser Gelegenheitvorkam: eS war jener Heiligeuschiminer, welchen die hektische Krank-heit den süßesten, engelgleichsten Augen, die je ein menschlichesAntlitz verschönerten, mitgetheilt hatte. Ihr Gesicht war aber jetztblaß und farblos; ihr Blick bekümmert und vorwurfsvoll.
„Bruder," versetzte sie feierlich, „das darf nicht sehn. Dasist eS nicht, was Gott bestehlt — nicht, was ich von Dir erwartete— von einem Manne zu erwarten berechtigt war, von dem ichgewiß weiß, daß er mich liebt, wenn ich auch von keinem andernmehr auf Erden dies behaupten kann."
„Einem Manne wird es schwer, theure Schwester, dem Elendenzu vergeben: zu vergessen, wie lauge er Dich —uns Alle betrogenhat, uni sich daun aus bloßer Eitelkeit einer Anderen zuzuwendcu."
„MileS, mein gütiger, männlicher Bruder, höre mich an,"bat Grace, mit ihren beiden Händen meine Rechte hastig um-schließend und vor Angst kaum mehr ihrer Besinnung mächlig.„Alle Gedanken des Unwillens, deS Zornes, ja selbst des Stolzesmüssen vergessen werden. Du bist dies meinem Geschlechts, bist eSden schrecklichen Bezüchtigungen schuldig, welche sonst an meinemNamen hasten blieben. Hätte ich mir als Mädchen irgend etwasvorzuwerfen, ich wollte mich ja gern jeder Strafe unterwerfen;aber gewiß, gewiß ist eS keine so unverzeihliche Sünde, wenn ichnicht im Stande war, die Neigung meines Herzens zu beherrschen,daß ich noch nach meinem Tode verdienen sollte, meinen Namen mitden Gerüchte» über einen solchen Streit vermengen lassen zu müssen.