an Heftigkeit zuzunehmen, daß er gegen Mitternacht zum förmli-chen Sturme oder vielmehr zum Orkane ward, wie ich ihn in glci«cher Wuth noch nie erlebt hatte. Natürlich wurden die Segel soschnell als nöthig eingerefft, bis das Schiff aus ein großes Mars-,ein Vormarsstag-, das große Fock- und das Kreuzstagsegel beschränktwar. Diese Segelstellung schrieb die alte Mode beim Sturmevor — von den neueren Spinkern wußte man damals noch nichts.
Unsere Lage war nichts weniger als erfreulich. Flut undStrömungen arbeiteten in jener hohen Breite mit großer Geschwin-digkeit und in dem Augenblicke, da es von der höchsten Wichtigkeitwurde, zu wissen, wo das Schiff eigentlich war, befanden wir unsin der peinlichsten Ungewißheit und hatten nichts als Muthmaßun-gen und Theorien, welche von der Wahrheit sehr weit entfernt seynkonnten. Trotzdem besaß der Kapitän Festigkeit genug, um dieBackbordwindvicrung bis zu Tagesanbruch beizubehalten, in derHoffnung, er würde endlich die Berge von Terra del Fuego^ zuGesicht bekommen. Bon uns erwartete keiner, daß wir uns durchdie Straßen würden durchwinden können; gleichwohl aber wäre es unsein großer Trost gewesen, wenn wir des Lande« ansichtig gewordenwären, da wir dadurch wenigstens eine etwas genauere Kenntnißvon unserer Stellung gewonnen hätten.
Endlich kam der Tag heran, ohne aber Gewißheit zu bringen?der Nebel, so dicht wie früher, war von Spritzregen, Seedunst undFlugwasser begleitet, so daß wir selten eine ganze und oft nichteinmal eine halbe Meile um uns zu sehen vermochten. Zum Glückläuft die Hauptrichtung des Feuerlandes von Südost gen Nordwest,was uns Raum genug zum Abhalten vom Ufer gestattete, voraus-gesetzt, daß wir nicht in einer der vielen tiefen Einschnitte jenerwilden, ungastlichen Küste geriethen.
Kapitän Williams bewies große Standhaftigkeit trotz der ge-fahrvollen Umstände, in denen wir uns befanden. Das Schiff stand* Spanische Benennung für .Feuerland.- D. u.