1L8
Freundin Gabe kaute, die Dinge vorher zu sehen und ihre Folgenzu berechnen.
Wir waren schon über eine Stunde ununterbrochen beisammengewesen, ehe wir daran dachten, im Wohnhause zu erscheinen.Lucy hielt aber jetzt ihrem Bruder vor, daß er seinen Vater nochnicht gesehen habe, den man kaum zuvor an der Thüre seinesStudierzimmers vom Pferde hatte absteigen sehen. Daß er vonder Rückkehr seiner Ausreißer — wenn nicht gar ungerathencnSöhne — unterrichtet war, ging, wie Lucy meinte, aus seinemganzen Wesen deuilich hervor und sie behauptete, es wäre unehr-erbietig, wenn wir noch länger zögern wollten, uns seinen Segenund seine Verzeihung zu erbitten.
Mr. Hardinge empfieng uns Beide ohne Ueberraschung undohne irgend eine Spur von Groll. Er hatte unsere Rückkehr umdiese Zeit erwartet und äußerte daher auch kein Erstaunen, dieseErwartung verwirklicht zu sehen — Groll war vollends seiner Naturvöllig fremd. Wir alle vergossen Thränen und erhielten unter demlauten Schluchzen der Mädchen seinen feierlichen Segen. Ichschäme mich keineswegs zu bekennen, daß ich niederkniete, um diesenSegen zu empfangen — ich thue dieses Geständniß in einer Zeit,wo das affektirte Gerede anmaßlicher Irreligiosität — denn Selbst-genügsamkeit wie Heuchelei tragen solche Affektirtheit als Kenn-zeichen und gehen sehr häufig Hand in Hand — nur allzu geneigtist, ein Demüthigen der eigenen Person, während man den Allmäch-tigen durch die Diener seines Altars um Segen anfleht, in'S Lächer-liche zu ziehen: alsoich kniete nieder und weinte — das Eine, so hoffeich, aus Demuth, das Andere aus Zerknirschung.
Nachdem wir Alle etwas ruhiger geworden waren und einkernhafteS Mahl vor de» Abenteurern dampfte, forderte Mr. HardingeBericht über Alles, was unterdessen vorgefallen war: er wandtesich dabei an mich und so sah ich mich gezwungen, etwas gegenmeine Neigung das Amt eines Historikers zu übernehmen. Ich