eine sechsmonatliche PrariS in Allem, was nicht gerade die Umsicht derErfahrung und eine Reife des UrtheilS fordert, ein recht brauchbarer,achtungswürdiger Matrose werden kann.
Auf Chinareisen gibts selten viel Abenteuer. Ist der Augen-blick der Abfahrt mit Umsicht gewählt, so hat das Schiff fastimmer guten Wind und meist auch günstiges Wetter. Freilich gibtsauf dem langen Wege auch manche Strecken, welche einem in derRegel einen Vorschmack von Stürzsecn und dergleichen geben können:im Ganzen aber ist eine Reise nach Canton bei all' ihrer Länge keines-wegs gefährlich zu nennen. Wir hatten natürlich auch mit Stürmen,Windstößen und den gewöhnlichen Wechselfällen der See zu kämpfen,durften aber gleichwohl unsere Fahrt eher zu den ruhigen als zumGegentheile rechnen.
Wir blieben vier Monate unterwegs und als wir endlich imFlusse vor Anker gingen, unsere Segel aufgeiten und aus derenSchatten hervortraten, kam mir's vor, als ob ein gänzlich fremdesTheater seinen Vorhang vor mir gelüftet hätte. China und seineBewohner sind übrigens besonders in neuerer Zeit so häusig be-schrieben worden, daß ich auf die Details, wie sie mir auffielen,nicht näher eingehen werde.
Seeleute, als Kaste genommen, sind überhaupt, was Sittenund Eigenthümlichkeiten von Ausländern betrifft, gar philosophischgestimmt und scheinen als Leute, welche alle Länder besuchen, dieBewunderung der Neuheiten eines einzelnen ganz unter ihrer Würdezu achten. So ergab sich denn, daß — Offiziere, Proviantmeisterund Koch ausgenommen — von der ganzen Mannschaft des Johnkein Einziger vor dieser Reise um das Kap der guten Hoffnunggekommen war und gleichwohl wurden die Glatzköpfe mit langemZopfe, die schiefen Augen uzid hervorstehcnden Backenknochen, dieunbeholfene Tracht nebst den Schlappschuhen der Leute, die sie hierzum ersten Male sahen, — Alles ungefähr mit derselben Gleichgültig-keit betrachtet, wie wenn ihnen zu Hause eine neue Mode aufge-